Nach längerer Zeit - höhere Beiträge in der Pflegepflichtversicherung 2023

News-Artikel vom: 24.10.2022

Privatversicherte müssen sich 2023 auf höhere Beiträge in der privaten Pflegepflichtversicherung einstellen. Der monatliche Beitrag wird im kommenden Jahr deutlich steigen - nach Angaben des PKV-Verbandes auf durchschnittlich 104 Euro. Betroffen sind allerdings nur Personen ohne Beihilfeberechtigung, also privatversicherte Arbeitnehmer, Selbständige und sonstige Privatpersonen . Bei Beamten und ihren Angehörigen fand die Beitragserhöhung bereits im letzten Jahr statt. Sie bleiben diesmal verschont.

Anders als in der sozialen Pflegeversicherung werden die Beiträge in der privaten Pflegepflichtversicherung versicherungsmathematisch kalkuliert. Einkommen und Familienstatus spielen keine Rolle. Die Beitragshöhe wird jährlich überprüft. Für Beitragsanpassungen gilt ein gesetzlich geregelter Mechanismus. Danach muss eine Neukalkulation immer dann stattfinden, wenn die Leistungsausgaben um mehr als 5 Prozent von der ursprünglichen Beitragskalkulation abweichen oder sich die durchschnittliche Lebenserwartung um mehr als 5 Prozent verändert hat. Bei den Leistungsausgaben wurde jetzt diese Schwelle überschritten.
 

Deutlich gestiegene Pflegekosten und mehr Pflegebedürftige

Die Beitragsanhebung ist damit vor allem den deutlich gestiegenen Pflegekosten geschuldet. Hier wirken gleich mehrere Faktoren ungünstig zusammen. Noch die alte Bundesregierung hatte kurz vor der letzten Bundestagswahl eine kostenträchtige Pflegereform auf den Weg gebracht. Wesentliche Bestandteile: generelle Tarifbezahlung von Pflegekräften und die Reduzierung der Eigenbeiträge von Pflegebedürftigen in der stationären Pflege. Alleine diese Reform schlägt sich nach Angaben des PKV-Verbandes mit rund 150 Mio. Euro Mehrkosten pro Jahr nieder. Darüber hinaus hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den letzten Jahren spürbar erhöht. Last but not least wirkt sich auch die Niedrigzinssituation der vergangenen Jahre belastend aus. Sie machte eine höhere Altersvorsorge in der privaten Pflegepflichtversicherung erforderlich. Die inzwischen wieder höheren Zinsen bringen noch keinen Entlastungseffekt.
 

Pflegepflichtversicherung immer noch günstiger als soziale Pflegeversicherung

Die letzte reguläre Beitragserhöhung gab es 1. Januar 2020. Sie liegt damit zum Jahreswechsel drei Jahre zurück. Zwischenzeitlich wurde für 2022 ein einmaliger Corona-Zuschlag in Höhe von 3,40 Euro eingeführt, der zum Jahresende ausläuft. Die jetzt avisierten 104 Euro Monatsbeitrag sind ein Durchschnittswert. Der tatsächliche Beitrag wird individuell festgelegt und hängt u.a. vom Lebensalter und von der Versicherungszeit ab.

Der PKV-Verband weist darauf hin, dass sich das Beitragsniveau in der privaten Pflegepflichtversicherung auch bei der jetzt anstehenden Erhöhung immer noch deutlich unter dem Niveau in der sozialen Pflegeversicherung bewegt - und das obwohl die soziale Pflegeversicherung einen Steuerzuschuss in Milliardenhöhe erhalte, also künstlich subventioniert werde. Legt man das Durchschnittseinkommen von gesetzlich versicherten Arbeitnehmern zugrunde, müssen diese im kommenden Jahr 122 Euro Beitrag zahlen, bei Einkommen an oder jenseits der Beitragsbemessungsgrenze sind es sogar 170 Euro.
 

Wie geht es mit den Beiträgen weiter?

Mit der jetzigen Beitragserhöhung sei erst einmal eine gute Grundlage für Beitragsstabilität in den nächsten Jahren geschaffen, so der PKV-Verband. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei weiteren Pflegereformen mit zusätzlichen Leistungsausweitung der Anpassungsdruck wieder zunehme. Auch unabhängig davon können Kostensteigerungen in der Pflege oder mehr Pflegebedürftige weitere Beitragsanpassungen in der Zukunft erforderlich machen.

 

 

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