Gesetzliche Kassen gleichen Defizit erneut mit höheren Zusatzbeiträgen aus

News-Artikel vom: 02.01.2024

Die 96 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland haben die ersten neun Monate dieses Jahres mit einem Defizit von rund einer Milliarde Euro abgeschlossen. Das geht aus Zahlen hervor, die das Bundesgesundheitsministerium vor wenigen Tagen veröffentlicht hat. Das Minus ist vor allem durch die zwangsweise Auflösung von Rücklagen und Abführungen an den Gesundheitsfonds bedingt. Ohne diese Maßnahme hätten die Krankenkassen einen Überschuss von ca. 900 Mio. Euro erzielt.

Die Krankenkassen sind in diesem Jahr verpflichtet, insgesamt 2,5 Mrd. Euro aus Rücklagen an den Gesundheitsfonds abzuführen. In den ersten drei Quartalen waren ca. 1,9 Mrd. Euro zu leisten. Dies ist eine der Maßnahmen des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes von Gesundheitsminister Karl Lauterbach , um die Finanzen des gesetzlichen Gesundheitssystems in diesem Jahr im Lot zu halten. Trotz der Rücklagenabführung erreichen die Reserven der Krankenkassen am Ende des dritten Quartals noch 9,3 Mrd. Euro oder 0,4 Monatsausgaben, was dem Doppelten des gesetzlich geforderten Solls entspricht.
 

Mehreinnahmen durch höhere Löhne - differenziertes Kassenbild 

Insgesamt standen den Ausgaben in Höhe von 228,1 Mrd. Euro Einnahmen in Höhe von 227,2 Mrd. Euro gegenüber. Davon stammen 185,1 Mrd. Euro aus Beitragseinnahmen . Diese Einnahmen sind im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 5,6 Prozent gestiegen. Das kräftige Plus hat mehrere Ursachen: die Versichertenzahl ist um ein Prozent auf 74,2 Mio. gestiegen - hier machen sich der Zustrom an Flüchtlingen und die Zuwanderung bemerkbar. Aber auch inflationsinduziert kräftige Lohnsteigerungen, die Erhöhung des Mindestlohns, der Abbau von Kurzarbeit nach Überwindung der Corona-Pandemie und die nach wie vor hohe Beschäftigung haben sich positiv ausgewirkt.

Betrachtet man die einzelnen Krankenkassen-Segmente, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Die Innungskrankenkassen schlossen die ersten drei Quartale mit 76 Mio. Euro Überschuss ab, die Landwirtschaftliche Krankenkasse mit 3 Mio. Euro Plus. Dagegen verzeichneten die AOK’sein Defizit von 199 Mio. Euro, die BKK’svon 144 Mio. Euro und die Knappschaft von 96 Mio. Euro. Das größte Loch tat sich bei den Ersatzkassen mit 606 Mio. Euro Defizit auf.
 

Gesundheitsfonds saisonüblich mit kräftigem Minus

Der Gesundheitsfonds musste in den ersten neun Monaten trotz der Rücklagenabführungen der Krankenkassen ein Minus von 6,9 Mrd. Euro hinnehmen. Die zu Jahresbeginn vorhandene Liquiditätsreserve von 12,0 Mrd. Euro wurde daher stark strapaziert. Allerdings ist dieses Defizit zum größten Teil „saisonüblich“. Erfahrungsgemäß kommt es im vierten Quartal zu einem starken Einnahmezustrom bedingt durch die dann erfolgenden Jahressonderzahlungen, während die ersten drei Quartale eher einnahmeschwach sind. Die Zuweisungen an die Krankenkassen fließen dagegen kontinuierlich und gleichmäßig.

Die Gesundheitsausgaben sind in den ersten neun Monaten um 5,2 Prozent gestiegen, was zu einem guten Teil ebenfalls durch die Inflation bedingt war. Besonders stark gestiegen sind die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen mit einem Plus von 6,9 Prozent. Extrem erhöht - um über 14 Prozent - haben sich die Ausgaben für stationäre psychiatrische Behandlungen . Ebenfalls starke Anstiege gab es bei den Ausgaben für Schutzimpfungen (+15,9 Prozent) - primär bedingt durch Gürtelrose- und FSME-Impfungen, häusliche Krankenpflege (+12,9 Prozent) sowie Vorsorge- und Reha-Leistungen (+9,6 Prozent).
 

Tendenziell höhere Zusatzbeiträge 2024

Die Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen lagen in den ersten drei Quartalen im Schnitt bei 1,51 Prozent und damit geringfügig unter dem „amtlichen“ durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von 1,6 Prozent. Im Jahr 2024 steigt er auf 1,7 Prozent. Eine ganze Reihe an Krankenkassen hat bereits Erhöhungen ihrer Zusatzbeiträge angekündigt – zuletzt die Barmer mit einem besonders hohen Beitragssprung. Hier steigt der Zusatzbeitrag von 1,5 Prozent auf 2,19 Prozent. Andere Kassen halten ihre Beiträge stabil, vereinzelt gibt es auch Beitragssenkungen. Bei einigen Krankenkassen steht die Entscheidung noch aus. Das Bild wird sich in den ersten Monaten des nächsten Jahres vervollständigen.

 

 

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